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Dörr Haus- und Umwelttechnik GmbH

Kraftwerk bringt Gas auf Temperatur

Wenn das Gas über Hochdruckleitungen in der Station ankommt, muss der Druck von 40 auf 14 bar reduziert werden. Nur so ist es letztlich vom Kunden zu nutzen. Durch dieses Expandieren kühlt sich das Gas allerdings stark ab - auf durchschnittlich fünf Grad Celsius. Würde es so in das Leitungsnetz gespeist, könnte Kondensat in den Leitungen entstehen - mit der Folge, dass beispielsweise in den Thermen der Kunden Wasser ankommt.

Um dies zu vermeiden, muss das Gas erwärmt werden. Dies geschah bisher mittels konventioneller Heiztechnik. Doch seit zwei Wochen ist das neue Blockheizkraftwerk (BHKW) in Betrieb: Dies erwärmt das Gas nicht nur günstiger, sondern erzeugt gleichzeitig noch Strom - kontinuierlich rund 20 Kilowatt.

„Man macht sich in vielen Bereichen Gedanken darüber, wie man energetische Abläufe optimieren kann“, erläutert Bürgermeister Dr. Franz Kahle, der auch Aufsichtsratsvorsitzender der Stadtwerke Marburg ist. Vor allem Energieversorger würden darüber nur selten nachdenken, da sie ja günstig an Energie kämen.

Mit dem neuen BHKW leiste man zwar lediglich einen „kleinen Beitrag der Energieerzeugung vor Ort. Aber man glaubt gar nicht, wie viel Stromleistung die vielen dezentralen Anlagen, die es in Marburg gibt, insgesamt produzieren.“ In Spitzenzeiten würden in Marburg mit Windkraft und Solaranlagen - auch von Privatleuten - rund 50 Prozent des privaten Stromverbrauchs gedeckt.

Kraftwerk soll dauerhaft rund um die Uhr laufen

Dr. Bernhard Müller, technischer Bereichsleiter der Stadtwerke, erläutert, dass ein BHKW kontinuierlich laufen müsse, „denn wenn es steht, dann rechnet es sich nicht“. Daher sei die neue Anlage von der Dimensionierung so gewählt worden, „dass es 8700 Stunden durchlaufen kann, denn es ist nach der Menge an Gas ausgelegt, die wir erwärmen müssen, wenn wenig Gas gebraucht wird“. Im optimalen Fall würde der Motor das gesamte Jahr durchlaufen - für eine maximale Effizienz. Dabei erzeuge er 40 Kilowatt Wärmeleistung „genau so viel, wie wir im Mindestfall zum Erwärmen des Gases brauchen“, so Müller. Würde mehr Heizleistung benötigt, werde die bisherige Kesselanlage zugeschaltet. „Diese konnte aber jetzt wesentlich optimiert werden“, erläutert Dr. Sören Lucke vom planenden Ingenieurbüro. Zudem habe man noch an der Automatisierungstechnik gefeilt, dadurch werde der Verbrauch innerhalb der Anlage wesentlich reduziert. Durch die neue Investition soll ein Drittel des bisherigen Gasverbrauchs eingespart werden. Für die Installation setzten die Stadtwerke auf eine Containerlösung: Das Kraftwerk wurde in einem Container per Kran angeliefert und musste dann innerhalb kürzester Zeit angeschlossen werden. Dafür zeichnete Dieter Dörr verantwortlich.

„Wir hatten vom Naturschutz hohe Auflagen, es durfte den vorhandenen Bäumen kein Blatt gekrümmt werden“, sagt er. Und dann musste die Anlage möglichst schnell an das bestehende System angeschlossen werden. „Die Unterbrechungszeiträume der Wärmeversorgung mussten minimal gehalten werden“, so Dörr.

Der reine Anschluss habe letztendlich knapp vier Stunden gedauert - bei einer unkritischen Installationsdauer von bis zu sechs Stunden. Wichtig sei auch gewesen, jetzt fertig zu werden. Denn ab Oktober werde in der Regel wesentlich mehr Gas verbraucht - dann wäre das Zeitfenster zur Installation wesentlich knapper gewesen. „Jetzt läuft die Anlage seit 14 Tagen störungsfrei“, so Dörr.


22.10.2021 Unternehmensnachrichten Nach Oben