Vom „War for Talent“ zum Talent Sharing

16.04.2019

Wenn sich in wenigen Wochen Unternehmer, Gründer und Studierende mit der Hilfe des Regionalmanagements als Ausrichter in Gießen zum diesjährigen Startup Weekend Mittelhessen treffen, wird ein Protagonist wieder dabei sein – allerdings in einer neuen Rolle: Fabian Annich hatte im vergangenen Jahr mit der Idee zu TalentZ den besten Pitch vor der Jury abgeliefert und gehört dieses Jahr beim Startup Weekend Ende Mai in der SPIE Akademie zum Team der Speaker und Mentoren. TalentZ entwickelt Online-Plattformen für so genanntes Talent Sharing zwischen verschiedenen Unternehmen und innerhalb der eigenen Organisation. Dazu hat uns der Gründer einige Fragen beantwortet und teilt mit uns seine Meinung in Bezug auf die Arbeit der Zukunft.

Die meisten Arbeitgeber haben heute Schwierigkeiten, den Bedarf an hoch qualifizierten Talenten im eigenen Unternehmen zu decken“, sagt Annich. „Die Konsequenz ist, dass Ausgaben für Berater, Zeitarbeitsfirmen, Headhunter und Recruiting in die Höhe steigen, diese allerdings keine dauerhafte Lösung für das Problem bieten.“ TalentZ schlägt neue Wege ein und schlägt einen radikalen Wandel in der Arbeitswelt vor: Talent Sharing.

Was ist Talent Sharing und was sind die Vorteile?

 Talent Sharing beschreibt das gegenseitige Ausleihen von Talenten, also Mitarbeitern, zwischen verschiedenen Arbeitgebern. Die Länge eines Austauschs kann variieren von kurzen einwöchigen Hospitationen über mehrmonatige Projekte bis hin zu einem Job Wechsel beziehungsweise „New Placement“. Also anstatt dass Unternehmen weiter Geld verbrennen, um in einem leergefischten Teich zu angeln, bieten wir ein vernetztes Kanalsystem, das die Fische besser verteilt.

Der erste Impuls bei vielen Unternehmen ist natürlich immer erst mal eine Art Schutzreflex. Da hören viele immer direkt „Die wollen uns unsere Talente stehlen!“. Wer kurzfristig und vor allem noch analog denkt, der sieht beim Talent Sharing nur das Risiko, Talente zu verlieren oder den Produktivitätsausfall. Wer jedoch digital, sprich vernetzt, und langfristig handelt, wird erkennen, dass Organisationen, die mit anderen Unternehmen in Netzwerken arbeiten, einen großen Wettbewerbsvorteil haben. Nicht nur können Kosten für Berater & Co reduziert werden, zusätzlich fördert man auch nachweislich durch branchenübergreifende Zusammenarbeit die Innovationskraft. Der wichtigste Vorteil ist aber die effektive und nachhaltige Kompetenzentwicklung der Talente, die am Talent Sharing teilnehmen.

Wie genau sieht euer Produkt aus?

Am Anfang der Gründung war es nur ein Konzept und eine manuell gepflegte Excel-Liste. Vor gut einem Jahr habe ich dann Patrick auf dem Startup Weekend Mittelhessen getroffen, der mit seiner IT Expertise jetzt eine eigene Onlineplattform gebaut hat, die wir als Software-as-a-Service-Lösung Unternehmen anbieten. Darüber können sich Talente und Unternehmen registrieren und eigene Profile anlegen. Anhand der Eingaben matchen wir dann die richtigen Talente mit den passenden oder ähnlichen Projekten.

Es gibt verschiedene Möglichkeiten für Unternehmen, unser Produkt zu verwenden. Für größere Konzerne kann es auch Sinn machen, eine interne Talent Sharing Plattform aufzubauen, die es Mitarbeitern ermöglicht, Hospitation oder Projekte in anderen Unternehmensbereichen zu finden. Oder man nutzt unsere Plattform nur für eine bestimmte Gruppe von Talenten, die zum Beispiel im Rahmen einer Weiterbildung die Möglichkeit erhalten sollen, für einige Monate in einem anderen Unternehmen zu arbeiten. Die Optionen sind sehr vielfältig und wir sind auch flexibel bei der Anpassung der Plattform.

Gibt es bereits erste Kunden und Erfahrungswerte?

Erfahrungen haben wir bereits sehr viele gesammelt und jetzt vor Kurzem auch unseren ersten Kunden gefunden. Vor zwei Wochen haben wir gemeinsam mit der Lufthansa Group die erste Talent Sharing Plattform live geschalten unter www.explorers.talentz.de.

Die Lufthansa Group entsendet im Rahmen eines Talente-Programms 150 ihrer Mitarbeiter für jeweils eine Woche in externe Unternehmen. Wir haben mit der Lufthansa auch doppelt Glück gehabt, da sie zum einen den Mut haben, mit uns etwas völlig Neues auszuprobieren, und weil sie für die Woche Einsatzzeit der Talente bei fremden Arbeitgebern die kompletten Gehaltskosten weiterzahlt. Das macht es für uns natürlich einfacher, spannende Talent Hosts (Unternehmen, die Talente aufnehmen) davon zu überzeugen, dieses Talent Sharing Experiment einzugehen.

Was sind die nächsten Schritte bei TalentZ?

Wir wollen natürlich noch weitere Unternehmen für den Talent-Sharing-Gedanken gewinnen und immer wieder neue spannende Vernetzungsmöglichkeiten zwischen Unternehmen entdecken und nutzbar machen. Ich sehe TalentZ in Zukunft als eine Art Unternehmensallianz, ähnlich wie die Star Alliance in der Luftfahrt. Wir bieten die Infrastruktur für die bestmögliche Vernetzung sowie den einfachsten Austausch von Mitarbeitern. Und Unternehmen können sich um eine Mitgliedschaft bewerben. Als Zwischenschritt möchten wir aber zunächst regionale Unternehmensnetzwerke aufbauen, in denen fünf bis zehn Unternehmen ihre Talente teilen. Tatsächlich wäre Mittelhessen eine perfekt geeignete Region dafür. Vielleicht finden wir ja ein paar mutige Pioniere hier bei euch?





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