Interdisziplinäres Lernen am Campus Kerckhoff in Bad Nauheim

04.12.2019

Die medizinische Versorgung chronisch kranker Patientinnen und Patienten ist komplex und erfordert eine interdisziplinäre Zusammenarbeit von Medizin und Psychologie. Dies ist gerade im Bereich der Rheumatologie unerlässlich, um die komplexen somatischen und psychosozialen Aspekte einer chronischen Erkrankung zu berücksichtigen.

Um die Bedeutung der interdisziplinären Versorgung möglichst frühzeitig – also bereits im Studium – zu vermitteln, hat ein Team der Abteilung für Rheumatologie am Campus Kerckhoff der Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) und ihres Fachbereichs Medizin sowie der Abteilung für Klinische Psychologie und Psychotherapie der JLU gemeinsam ein Blockpraktikum konzipiert, um Psychologie- und Medizinstudierende erstmals gemeinsam zu unterrichten.

Über einen Zeitraum von einer Woche erhielten die Studierenden Einblicke in die Bereiche der Physio- und Schmerztherapie, der Neurologie und der Logopädie. Durch praktische Übungen wurde das theoretische Wissen in die Praxis übertragen und gefestigt. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten in Tandem-Teams aus Medizin und Psychologie gemeinsam Patienten befragen und untersuchen. Dabei wurde versucht, die körperlichen und psychischen Beschwerden der Patienten herauszuarbeiten und mögliche Behandlungsansätze zu entwickeln.

Erstmalig konnte das Wahlfach im Wintersemester 2019/20 angeboten werden und stieß bereits in der Anmeldephase auf eine besonders positive Resonanz bei den Studierenden. Durch eine sorgfältige Referentenauswahl aus Einrichtungen in Bad Nauheim, Friedberg und Marburg erhielten die Studierenden in Theorie und Eigenerfahrung einen Einblick in die jeweiligen Bereiche. Sie erlernten, die Erkrankungen der Patienten aus dem Blickwinkel verschiedener Fachdisziplinen zu betrachten und Behandlungsmöglichkeiten abzuleiten. Diese Art der kooperativen Lehre in Psychologie und Medizin stellt eine Innovation dar.

Das Lehrkonzept soll die Studierenden nicht nur früh für chronisch erkrankte Patientinnen und Patienten sensibilisieren, sondern ihnen auch die Bedeutung der interdisziplinären Zusammenarbeit vermitteln. So konnten auch Berührungsängste abgebaut werden, die –etwa durch unterschiedliche Fachsprachen – häufig zwischen den verschiedenen Professionen vorhanden sind und allzu oft zur Ressentiments und Vorurteilen führen.

Dr. Rebecca Hasseli und Prof. Dr. Uwe Lange von der Abteilung für Rheumatologie der Kerckhoff-Klinik in Bad Nauheim hoffen auch, den Studierenden auf diese Weise die Rheumatologie näher zu bringen. „Wir wünschen uns, dass unser Konzept auch an anderen Universitäten Interesse weckt. Bei der Umsetzung stehen wir gern mit Rat und Tat zur Seite“, sagt Dr. Hasseli. Von Seiten der JLU-Psychologie waren Prof. Dr. Christiane Hermann, Dr. Judith Kappesser und Silas Pfeiffer an dem Projekt beteiligt. Auch sie möchten aufgrund der hervorragenden Resonanz der Studierenden die Kooperation der beiden Fachbereiche in Zukunft intensivieren.

Die Auswahl der Referentinnen orientierte sich an den klinischen Bedürfnissen der Patientinnen und Patienten. So wurden die Disziplinen Physiotherapie (vertreten durch Dr. Katrin Richter-Bastian, UKGM Marburg, und Timo Sattler, Kerckhoff-Klinik), Logopädie (Ulrike Hofmann, Logopädische Praxis Friedberg-Ossenheim) sowie Neurologie und Schmerztherapie (PD Dr. Marlene Tschernatsch, ärztl. Leiterin des MVZ am Hochwald) in die interdisziplinäre Lehre integriert.





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