Hessische Hochschulen übernehmen Hebammen-Ausbildung

07.04.2021

In Fulda, Frankfurt und Gießen wird es künftig insgesamt mindestens 140 Studienplätze pro Jahr für Hebammen geben. Damit wird in Hessen nicht nur, wie vom Bundesgesetzgeber vorgesehen, die Hebammenausbildung ab 2023 vollständig in Form eines Dualen Studiums angeboten, die Kapazität übertrifft dank finanzieller Unterstützung der Landesregierung sogar die der bisherigen Ausbildungswege. Dort standen in Hessen bisher insgesamt rund 120 Plätze zur Verfügung. Die Vereinbarung stellten Wissenschaftsministerin Angela Dorn und die beteiligten Hochschulen, Universitäten und Universitätsklinika vor. Für die Hebammen-Ausbildung hat die Landesregierung im Zeitraum vom 2021 bis 2027 rund 22 Millionen Euro eingeplant.

Die Hochschule Fulda leistet mit dem dualen Bachelorstudiengang Hebammenkunde bereits seit 2012 Pionierarbeit. Sie wird künftig mit der Philips-Universität Marburg und dem Uniklinikum Gießen und Marburg (UKGM, Standort Marburg) kooperieren. In den kommenden beiden Jahren richten die Frankfurt University of Applied Sciences in Kooperation mit der Goethe-Universität und der Uniklinik Frankfurt sowie die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) in Kooperation mit der Justus-Liebig-Universität Gießen und dem UKGM (Standort Gießen) weitere Studiengänge ein. Die Technische Hochschule Mittelhessen (THM) mit ihrem Fachbereich Gesundheit, die Justus-Liebig-Universität Gießen (JLU) mit ihrem Fachbereich Medizin und das Universitätsklinikum Gießen und Marburg (UKGM) haben gemeinsam das Curriculum für einen Studiengang Hebammenwissenschaft entwickelt. Er soll im Wintersemester 2022/23 unter Federführung der THM starten. 

„Ich freue mich sehr, dass es uns gelingt, die Ausbildung nicht nur mit der Akademisierung auf eine neue Ebene zu heben, sondern auch die Kapazität deutlich zu steigern – denn diese zusätzlichen Fachkräfte werden gebraucht“, erklärte Wissenschaftsministerin Angela Dorn. „Hebammen sind bereits jetzt hervorragend ausgebildet; die Akademisierung trägt ihrer entscheidenden Rolle zusätzlich Rechnung. Auf ihren Schultern lastet eine sehr hohe Verantwortung: Sie stehen Frauen und Familien vor, während und nach der Geburt mit großem Wissen und hohem Einsatz beiseite. Sie arbeiten mit anderen Disziplinen zusammen, von der Medizin über Pflegefachkräfte bis zu sozialpädagogischen Fachleuten. Auch die akademische Ausbildung wird sowohl theoretisch und praktisch fundiert als auch interdisziplinär und interprofessionell angelegt sein. Mit ihr ist das Ziel verbunden, die Hebammenwissenschaften als eigenständiges Forschungsgebiet weiterzuentwickeln und wissenschaftlichen Nachwuchs auszubilden.“

„Die Hochschule Fulda hat mit der Einführung eines Bachelorstudiengangs vor knapp zehn Jahren die ersten Schritte auf dem Weg zur Akademisierung der Hebammen gemacht“, erklärt Prof. Dr. Karim Khakzar, Präsident der Hochschule Fulda. „Bereits seit diesem Wintersemester bieten wir in Kooperation mit mehreren Kliniken einen akkreditierten Studiengang nach dem neuen Berufsgesetz für Hebammen an.  In Kürze werden in Zusammenarbeit mit der Universität Marburg und dem Uniklinikum Gießen und Marburg mindestens weitere 20 Studienplätze hinzukommen. Damit ist die Hochschule Fulda in Hessen die größte Ausbildungsstätte, die Hebammen eine hochwertige, akademische Ausbildung anbietet und die zugleich den wissenschaftlichen Nachwuchs sichern wird."

„Die hessischen Hochschulen für Angewandte Wissenschaften verstehen die akademische Ausbildung von Hebammen sowohl als Fortsetzung einer Leistung als auch als neues Entwicklungsfeld“, ergänzt Prof. Dr. Matthias Willems, Präsident der THM und Vorsitzender der HAW Hessen. „Denn einerseits gehört die Qualifizierung von Hebammen bereits zum Lehrprogramm der Hochschule Fulda. Andererseits eröffnen uns die künftigen gemeinsamen Studiengänge an weiteren Standorten Chancen für innovative Kooperationsmodelle mit medizinischen Fakultäten und den dazugehörigen Kliniken.“

„Es stärkt unsere Region als Standort mit hochwertiger Gesundheitsversorgung, dass drei lokale Partner ihre Kompetenz einbringen, um dieses zukunftsweisende Ausbildungsmodell gemeinsam zu realisieren. Als Hochschule, die in der praxisnahen Lehre und Forschung mit Themenfeldern aus dem Gesundheitswesen vertraut ist und über profunde Erfahrungen mit dualen Lehrangeboten verfügt, beteiligen wir uns gerne am mittelhessischen Gemeinschaftsprojekt, Hebammen akademisch zu qualifizieren“, erläutert THM-Präsident Prof. Dr. Matthias Willems. Dabei setzen die Gießener Hochschulen einen kooperativen Weg fort, wie Prof. Dr. Verena Dolle, JLU-Vizepräsidentin für Studium und Lehre, betont: „Mit dem neuen Studiengang Hebammenwissenschaft führen wir unsere gute Zusammenarbeit mit der THM in der Lehre weiter. Da wir bereits mehrere gemeinsame Studiengänge anbieten, können wir auch bei dieser Kooperation - dem ersten gemeinsamen dualen Studiengang - auf bewährte Strukturen zurückgreifen."

Vom Zusammenwirken bei diesem neuartigen Qualifizierungsmodell erwartet Prof. Dr. Wolfgang Weidner, Dekan des Fachbereichs Medizin der JLU, positive interprofessionelle Effekte: „Wir freuen uns sehr darüber, dass wir mit unserer Expertise in der Geburtshilfe und der Gynäkologie weiterhin auch an der Ausbildung von Hebammen beteiligt sind und damit die Akademisierung der Pflege- und Heilberufe in der Region und mit den Partnern THM und UKGM ausgestalten und voranbringen können. Durch gemeinsame Angebote für Studierende der Medizin und der Hebammenwissenschaft wird zudem schon im Studium die Grundlage für eine erfolgreiche und wertschätzende Zusammenarbeit der verschiedenen akademischen Heilbereiche gelegt."

„Wir haben in Gießen eine lange und gute Tradition in der Ausbildung von Hebammen, die wir nun zusammen mit der THM und der JLU fortsetzen wollen. Wir übernehmen als Uniklinikum dabei sehr gerne die Verantwortung für den praktischen Teil der Ausbildung, der mit 2.200 Stunden immerhin die Hälfte dieses Studiengangs ausmacht. Die langjährige Erfahrung und Expertise unserer Hebammen, Praxisanleitungen und Gynäkologen sind ein Schatz, den wir in dieses gemeinsame Projekt einbringen“, sagt Dr. Christiane Hinck-Kneip, die Kaufmännische Geschäftsführerin am Universitätsklinikum Gießen.

Zu den Vorzügen des neuen dualen Studiengangs Hebammenwissenschaft am Standort Gießen, der mit dem akademischen Grad Bachelor of Science abschließt, gehört die lokale Konzentration. Durch die räumliche Nähe der Ausbildungsstätten am Fachbereich Gesundheit der THM, am Fachbereich Medizin der JLU und am UKGM bieten sich sehr gute Studienbedingungen. Neben dem hohen Praxisanteil und der interprofessionellen Lehre setzt das Curriculum auch einen Schwerpunkt auf interkulturelles Lernen und Lehren. Das steigert die Attraktivität der Ausbildung für internationale Studieninteressierte und soll die Absolventinnen und Absolventen in besonderer Weise für die Versorgung von Frauen mit Migrationshintergrund qualifizieren.





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