„Für diesen Job stehe ich morgens gerne auf“

22.05.2019

Ausbildung, Duales Studium und Projektleitung bei Klima-Bau Volk in Wetzlar: Drei Sichtweisen auf die Heizungs-, Klima-, Lüftungs- und Kältetechnik – ein Berufsfeld mit interessanter Zukunft.

 „Es wird immer eine Anlage gebraucht, die Kälte erzeugt.“ Geht es darum, mehr als einen Beruf zu finden, sondern eine Berufung, denken vielleicht nur wenige an ein Unternehmen, das sich mit Klimatechnik beschäftigt. Bei Robert aus Linden, Dualer Student bei Klima-Bau Volk im Wetzlarer Stadtteil Münchholzhausen, ist genau das der Fall: „Das ist ein spannendes, zukunftsträchtiges Thema“, sagt der in Ehringshausen aufgewachsene Mechatroniker für Kältetechnik. Zwischen Abitur und dem Dualen Studium zum Bachelor of Science in Kältesystem-Technik hat Robert bei Klima-Bau Volk seine Ausbildung absolviert. Die Zukunftsaussichten sind nicht der einzige Grund, der ihn an das mittelhessische Unternehmen bindet: Der 1967 gegründete Betrieb für Heizungs-, Lüftungs-, Sanitär- und Kältetechnik pflegt eine Kultur des Miteinanders im Umgang mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.Fordern und Fördern gehen dort Hand in Hand.

Klima-Bau Volk besteht aus zwei rechtlich unabhängigen Unternehmen in Mittelhessen und in Leipzig sowie einem Technischen Büro im thüringischen Waltershausen. Insgesamt setzen sich über 170 Menschen für die Technische Gebäudeausrüstung von Hotels, Einkaufspassagen, Ein- und Mehrfamilienhäuser ein. Die Gesamtleistung der beiden Unternehmen liegt bei annähernd 30 Millionen Euro. Das Unternehmen ist zudem Ausbilder für gleich vier Berufe, dort lernen Anlagenmechaniker, Mechatroniker für Kältetechnik, Technische Systemplaner und Kaufleute für Büromanagement. Einer dieser Auszubildenden ist zurzeit Burim, 21 Jahre alt. Er lernt den Beruf des Anlagenmechanikers für Sanitär-, Heizungs- und Klimatechnik.

Burim (Auszubildender): „Schon früh in der Ausbildung selbstständig gearbeitet.“

Ein Vorbild für seine Berufswahl war ein Kollege seines Bruders, der im Haus der Familie Arbeiten zu erledigen hatte. „Er meinte damals, er macht das ganz oder gar nicht – keine halben Sachen. So will ich das für mich auch“, sagt Burim. Sein Vorbild kannte den Beruf in- und auswendig. Bei ihm hat er auch den Spaß gesehen, den es bringt, eine Arbeit gut zu können. „Deswegen habe ich mich für den Beruf entschieden.“ Auf Klima-Bau Volk ist er schließlich mit Hilfe der App der Agentur für Arbeit gestoßen; ein großer Betrieb sollte es sein, mit vielen Angestellten und einer gewissen Reputation in der Region – das war Burim wichtig. Eine weitere Empfehlung kam aus dem familiären Umfeld: „Es hieß, das ist eine gute Firma, in der ich viel lernen kann, weil sie ganz viele verschiedene Aufträge haben.“

Burims Alltag als Auszubildender orientiert sich schon früh stark an der Praxis: Morgens organisiert er gemeinsam mit den Kollegen alles, was sie später auf der Baustelle brauchen. Eine Smartphone-App verrät ihm, zu welcher Baustelle er mit den Monteuren fahren soll. Jeweils zwei Wochen lernt Burim so die Praxis des Berufs und geht dann anschließend jeweils eine Woche in die Berufsschule. Dazu kommen Lehrgänge im Berufsbildungs- und Technologiezentrum (BTZ) in Wetzlar. Insgesamt dreieinhalb Jahre wird die Ausbildung bis zur Abschlussprüfung dauern. Ab einem bestimmten Notendurchschnitt gehe es auch kürzer, sagt Burim. An seiner Ausbildung bei Klima-Bau Volk gefällt ihm besonders, dass man ihm dort auch schon früh in der Ausbildung selbstständiges Arbeiten zutraut. „Das ist mir sehr wichtig. Ich möchte ja ernst genommen werden.“

Am Anfang sei das nicht immer einfach für ihn gewesen, selbstständig zu arbeiten: „Ich hatte Angst vor Fehlern.“ Zum Selbstbewusstsein beigetragen hat, dass die Gesellen ihn auch fordern. Seine Erfahrung: „Man muss logisch und vor allem mitdenken können.“ Auch die Abwechslung gefällt ihm: „Hier gibt es jeden Tag oder jede Woche etwas anderes zu tun.“ Dass ein Job am Schreibtisch nichts für ihn ist, hat Burim schon auf der Wirtschaftsschule festgestellt. So hat er sich gegen das Fachabitur und für einen Realschulabschluss und die Ausbildung entschieden. „Ich wollte vor allem einen Beruf finden, der mir Spaß macht“, sagt er. „Ich will, dass man mir auch schwierige Aufgaben geben kann.“ Und: Burim gehört zu denen, die sich gerne einsetzen. Deshalb hat er gemeinsam mit den anderen Azubis Fotos für den Instagram-Auftritt des Unternehmens beigesteuert. Was nach der Ausbildung und dem Gesellenbrief kommen soll, ist für Burim noch offen; die Möglichkeiten hat er sich aber schon ausgemalt: „Ein Duales Studium habe ich mir überlegt“. Und auch der Meisterbrief wäre interessant für ihn.

Marco (Projektleiter): „Gute Kommunikationskultur, Team-Work und gegenseitiger Respekt wichtig“

Meister ist Marco schon, an Motivation mangelt es dem 30-Jährigen ebenso wenig: „Für diesen Job stehe ich jeden Morgen gerne auf“, sagt er mit Überzeugung. Marco ist Projektleiter bei Klima-Bau Volk. Seine Karriere begonnen hat er dort allerdings nicht: 2006 fing er seine Ausbildung im Installateurs- und Heizungsbauerhandwerk bei einem kleinen Betrieb in Fernwald an, wo er auch seine persönlichen Wurzeln hat. Seinen Meisterbrief machte er später in einem größeren Unternehmen für Gebäudetechnik. Doch bei Klima-Bau Volk fühlt sich Marco angekommen: „Es gefällt mir. So habe ich mir das vorgestellt.“ Er betont das wie jemand, der seine Berufung gefunden hat. Und wie jemand, der bei den Dingen bleibt, die er für sich als passend gefunden hat. Er ist verheiratet; seine Frau und er kennen sich bereits seit 18 Jahren.

Bei dem Vorstellungsgespräch in Münchholzhausen habe er sich spontan wohl gefühlt „und verstanden, was ich möchte, und was ich angeboten bekomme“. Dabei waren ihm vordergründige Dinge, wie Gebäude und Fahrzeuge, nicht wichtig. „Mich haben die Leute interessiert.“ Menschen seien es, die dafür sorgten, dass er „morgens gerne aufsteht und zur Arbeit geht“. Der Kontakt ist ihm wichtig; wenn die Monteure ihre Fahrzeuge beladen, packt Marco mit an, fährt mit zur Baustelle, kontrolliert die Umsetzung der Pläne, spricht mit den Ausführenden. „All das gehört auch zum Aufgabenfeld“. „Das ist wichtig und gibt auch den Kunden ein gutes Gefühl.“

Dabei war Heizungsbauer anfangs nicht sein Traumberuf, sondern „eher ein Zufallstreffer.“ Eigentlich habe er in die Industrie gewollt. Mittlerweile „würde er nichts anderes mehr machen wollen“. 13 Jahre später ist er überzeugt von seiner Entscheidung. „Die Ausbildung, der Meister, jetzt die Projektleitung – das passt für mich alles.“ Was dem Experten für Heizungs- und Sanitärtechnik an seinem Job auch gefällt, ist die Möglichkeit sich einzubringen: „Kalkulation, Projektierung und Montage müssen Hand in Hand gehen. Wir sind in Münchholzhausen 80 Mitarbeiter, die Projekte im Wohnungsbau, in Kliniken bis hin zu Industriekomplexen umsetzen.“ Er sieht sich dabei als integraler Bestandteil des Ablaufs. „Ein Einzelner kann nicht alles abdecken“. Dabei wird ihm als Projektleiter großes Vertrauen entgegengebracht. Und das gilt auch gegenseitig. „Ich weiß, dass ich jederzeit fragen kann und geholfen bekomme – es gibt immer ein offenes Ohr.“

Gute Kommunikationskultur, Team-Work und gegenseitiger Respekt sind wichtig, denn der Beruf hält für Marco auch Herausforderungen parat: „Wir bauen unter anderem Anlagen, die es so standardmäßig nicht gibt.“ Das mache ihn auch stolz, denn „wir machen selbst schwierige Projekte für Kunden möglich“. Das bedeute für ihn auch, ständig dazu zu lernen, „man baut nicht immer dasselbe, entwickelt sich ständig weiter“. Außerdem änderten und entwickelten sich auch ständig Normen und technische Möglichkeiten. „Smart Home ist da nur ein Stichwort. Das macht den Beruf sehr interessant.“

Robert (Dualer Student): „Job entwickelt sich ständig weiter.“

Herausforderungen wie diese spielen auch beim Dualen Studium von Robert eine Rolle: „Diese Form des Studiengangs ist einzigartig“, sagt er über sein Curriculum an der Europäischen Studienakademie (ESaK) in Maintal. „Dadurch, dass es dual ist und sehr, sehr praxisnah“, fügt er hinzu. Der Anteil des Studiums, der sich im Betrieb abspielt, nimmt im Laufe der Zeit zu – von drei Monaten im ersten Jahr, über sechs Monate im zweiten bis hin zu neun Monaten im dritten Jahr. „So kann man immer mehr im Betrieb von dem umsetzen, was man im Studium lernt.“ Zudem kämen viele Professoren selbst aus der Wirtschaft. „Dadurch, dass die Firmen, bei denen die Studenten beschäftigt sind, dahinterstehen, geht das schon sehr in die Anwendung rein“, sagt Robert. In seinen Alltag kann der Mechatroniker die universitäre Ausbildung ebenfalls gut eingliedern: Die Uni liegt rund 50 Autominuten vom Arbeitsplatz entfernt. In den Theoriephasen hat Robert ein Zimmer auf dem Campus, „der Vorlesungssaal ist gleich die Treppe runter“.

Für die Zukunft erwartet sich der Lindener einiges von seiner Branche: „Unser Job entwickelt sich ständig weiter.“ Ständig gebe es neue Innovationen; Bauteile und Komponenten werden neu- und weiterentwickelt. Eventuell könne man auch selbst forschen. „Der Beruf ist sehr dynamisch.“ Großes Thema bei der Entwicklung sind zum Beispiel Kältemittel: Aufgrund ihrer schlechten Umweltverträglichkeit müssen viele vom Markt genommen werden; daher gilt es, die Technik weiter zu entwickeln, um Ersatz zu finden. „Da ist Potenzial drin.“ Das kann Robert nach seinem Studium in der „Kälteabteilung“ bei Klima-Bau Volk weiter ergründen, denn dort soll er dann in der Projektleitung arbeiten. Genauso wie Marco macht er dann die Planung für die Kollegen auf der Baustelle.

„Das gute Miteinander ist auschlaggebend.“

Was Burim, Marco und Robert mit Klima-Bau Volk verbinden, sind auch die positiven Erfahrungen mit ihrem Arbeitgeber auf menschlicher Ebene. „Das gute Miteinander ist auschlaggebend“: Für Robert ist das ein Faktor, der Mittelständler generell auszeichnet: „Man kann viel besser miteinander umgehen als in einem großen Konzern, weil man sich dort überhaupt nicht kennt“, sagt er. „Hier kennt man sich gegenseitig, man kennt die Chefs.“ Und: „Man spricht miteinander, es gibt keine vollendeten Tatsachen“, sagt auch Marco. Das gilt auch schon ab dem ersten Lehrjahr, wie Burim erfahren hat: „Hier wird man gleich eingebunden.“ Das sind Punkte, die den Mittelstand im Allgemeinen und Klima-Bau Volk im Besonderen auszeichnen.

(Fotos: Regionalmanagement Mittelhessen / TilmanLochmüller)





Alle Blog-Einträge