Berufseinstieg nach dem Bachelor- oder Master-Abschluss? Ein Interview mit Kim Meerbothe

08.05.2019

Mehr als die Hälfte der Studenten will nach dem Bachelor-Abschluss den direkten Berufseinstieg wagen – das zeigt eine Umfrage des Studienfonds Deutsche Bildung, wie die FAZ berichtete. Nur 47 Prozent der Befragten wollen einen Master anhängen, 2010 waren es noch zwei Drittel. Zusätzlich sind die Erwartungen der Studenten an das Einstiegsgehalt erheblich gestiegen, durchschnittlich um 11 Prozent. Wir haben bei einem großen mittelhessischen Arbeitgeber nachgehakt.

Kim Meerbothe ist Referentin für Hochschulkooperationen bei der Schunk Group und erklärte uns in einem Interview, wie wichtig der Master-Abschluss in der Praxis ist und was Studenten vor dem Berufseinstieg beachten sollten.

Können Sie sich erklären, warum immer mehr Studenten nach dem Studium direkt den Berufseinstieg wagen möchten, statt weiter zu studieren?

 Kim Meerbothe: Nach der Bologna-Reform gab es viel Kritik an den neuen Abschlüssen und gerade ein Bachelor war im Vergleich zum Diplom nicht als vollwertiges Studium anerkannt. Mit der zunehmenden Akzeptanz eines Bachelors als berufsqualifizierenden Abschluss, und nicht nur als Grundlage für ein weiterführendes Studium, wagen sicherlich auch zunehmend mehr Studierende den direkten Berufseinstieg.

Wie wichtig schätzen Sie einen Bachelor- bzw. Master-Abschluss für den Berufseinstieg und den weiteren Karriereverlauf ein? Wann „lohnt es sich“ aus Ihrer Sicht einen Master-Abschluss zu machen?

 Meerbothe: Beide Abschlüsse qualifizieren für einen Berufseinstieg und letztendlich muss die Entscheidung für einen Bachelor oder Master ganz individuell von den Studierenden getroffen werden. Wer nach dem Bachelor-Abschluss erst einmal Lust auf Praxis hat und erste Berufserfahrung sammeln möchte, kann sich auch später noch in einem Master weiterbilden. Wer noch tiefer in die Theorie einsteigen möchte oder bereits weiß, dass für das angestrebte Karriereziel ein Master unabdingbar ist, kann diesen direkt nach dem Bachelor machen.

Ist es Ihnen schon einmal passiert, dass Hochschulabsolventen völlig unrealistische Gehaltsvorstellungen haben und es deswegen nicht zu einer Einstellung gekommen ist? Was sind Ihre Gedanken zu den gestiegenen Gehaltsforderungen der Studienabsolventen?

 Meerbothe: Natürlich spielen Gehaltsvorstellungen im Bewerbungs- bzw. Einstellungsprozess eine wichtige Rolle und beeinflussen auch die Entscheidung für oder gegen ein Angebot. Allerdings werden auch die zusätzlichen Rahmenbedingungen der zukünftigen Arbeitsstelle miteinbezogen und ob diese mit den eigenen Vorstellungen und Wünschen übereinstimmen.

Würden Sie der Aussage zustimmen, dass es einen „Kampf“ zwischen den Unternehmen um gute Kandidaten gibt? Ist es schwieriger geworden, gute oder passende Bewerber zu finden?

 Meerbothe: Gute Kandidaten haben oft mehrere Optionen. Um diese vom eigenen Unternehmen zu überzeugen, ist die Attraktivität als Arbeitgeber sehr wichtig. Für Schunk bedeutet das, potentiellen neuen Mitarbeitern nicht nur einen interessanten Job anzubieten, sondern auch ein attraktives und sicheres Arbeitsumfeld, eine besondere Unternehmenskultur und vielfältige Entwicklungsmöglichkeiten in einem internationalen Technologiekonzern.

Was finden Sie wichtig, was ein Bewerber außer einem Abschluss vor seinem Berufseinstieg noch mitbringen/erlebt haben sollte? Welche Tipps können Sie geben?

 Meerbothe: Neben dem Abschluss spielen natürlich auch andere Faktoren bei der Entscheidung eine Rolle, ob ein Bewerber geeignet ist, zum Beispiel welche Erfahrungen dieser bereits gesammelt hat. Das kann von einem Auslandssemester über den Ferienjob bis hin zur Werkstudententätigkeit alles sein. Wichtig ist es, dass sich Studierende bereits während dem Studium überlegen, was sie nach dem Abschluss machen möchten und darauf hinarbeiten. Darüber hinaus sind Begeisterungsfähigkeit und die Offenheit für Neues wichtige Eigenschaften, die den Einstieg ins Berufsleben erleichtern.





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