1,5 Millionen Euro für Medizinforschung

30.01.2019

Zum zwölften Mal hat die von Behring-Röntgen-Stiftung Fördermittel für medizinische Forschungsprojekte an der Justus-Liebig-Universität Gießen und der Philipps-Universität Marburg bewilligt. Über insgesamt 1,5 Millionen Euro für neun Forschungsvorhaben konnten sich die Begünstigten freuen. Stellvertretend für ihre Arbeitsgruppen nahmen die Projektsprecher gestern die Bewilligungsurkunden aus den Händen von Stiftungspräsident Friedrich Bohl an ihren Dienstorten entgegen.

Die Gelder stehen ab 2019 für Kooperationsprojekte mit gemeinsamer Beteiligung von Marburger und Gießener Wissenschaftlern sowie einzelne Forschungsvorhaben von Nachwuchswissenschaftlern bereit, die unter anderem an Themen aus den Bereichen Krebsforschung, Virologie und Immunologie arbeiten.

Außerordentliche Förderung erfährt das Lungenforschungszentrum UGMLC (Universities of Giessen and Marburg Lung Center). Das zuvor vom hessischen Forschungsförderprogramm LOEWE unterstützte Zentrum bündelt die experimentelle und klinische Lungenforschung in Gießen, Marburg und Bad Nauheim und ist eines der international führenden auf dem Gebiet der Erkrankungen der Lunge und der Atemwege. Durch die Unterstützung von zwei Projekten trägt die Von Behring-Röntgen-Stiftung dazu bei, die Verstetigung des Zentrums zu sichern.

Die geförderten Projekte im Einzelnen:

Wespen- und Bienenstiche gehören zu den häufigsten Auslösern schwerer allergischer Schockreaktionen im Erwachsenenalter, die schlimmstenfalls tödlich verlaufen können. Die einzige Behandlungsmöglichkeit ist eine Immuntherapie oder Hyposensibilisierung, die bei Bienengift allerdings weniger wirksam ist als bei Wespengift. Eine Ursache könnte die Allergieneigung gegen das Bienengiftallergen Api m 10 sein. Ziel des mit 200.000 Euro geförderten Kooperationsprojektes von Prof. Dr. Thilo Jakob und Prof. Dr. Wolfgang Pfützner ist es, die daran beteiligten immunologischen Mechanismen aufzuklären, um neue Ansätze für eine verbesserte Behandlung zu entwickeln.

Die Ernährung spielt bei der Entwicklung von Erkrankungen eine wichtige Rolle. Industriell hergestellte Lebensmittel enthalten häufig viel Eiweiß und wenig Ballaststoffe. Prof. Dr. Ulrich Steinhoff und Prof. Dr. Elke Roeb wollen den Einfluss dieser Nahrungsbestandteile auf das mukosale Immunsystem, die Darmflora und ihre Enzymreaktionen sowie die Entstehung von Darmkrebs untersuchen. Das Kooperationsprojekt wird mit 85.000 Euro unterstützt.

Die tiefe Hirnstimulation ist ein neurochirurgischer Eingriff in das Gehirn und wird zur Behandlung bestimmter neurologischer Erkrankungen, wie dem fortgeschrittenen Parkinson-Syndrom, eingesetzt. Um zu klären, welche Voraussetzungen eine erfolgreiche Therapie bedingen, untersucht Carina Oehrn computergesteuert den Einfluss verschiedener Faktoren vor und während des Eingriffs. Die Nachwuchswissenschaftlerin nutzt dafür hochmoderne Technologien aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz. Das Projekt wird mit 80.000 Euro unterstützt.

Knorpeldefekte an Sprunggelenken führen gerade bei jüngeren Patienten häufig zu Schmerzen und Funktionseinschränkung mit späterer Arthrose. Aufgrund der anatomischen Struktur sind Ersatzverfahren, die bei flächigen Defekten wie am Knie angewandt werden, bei Sprunggelenken seltener erfolgreich. Ziel des Nachwuchswissenschaftlers Dr. Markus Rupp ist es, mithilfe einer Knochentransplantation aus dem Rippenknorpel der Betroffenen die Sprunggelenkfunktion langfristig wiederherzustellen. Das Projekt wird mit 120.000 Euro gefördert.

Ebola- und Nipah-Viren gehören zu den gefährlichsten Erregern der Welt. Durch die Gefahr der globalen Ausbreitung und die schweren, oftmals tödlichen Krankheitsverläufe stellen sie eine ernste Bedrohung für die öffentliche Gesundheit dar. Die Nachwuchswissenschaftlerin Alexandra Kupke will aufklären, wie die Erreger ins zentrale Nervensystem der Betroffenen gelangen und dort neurologische Krankheitssymptome sowie lebensbedrohliche Gehirnhautentzündungen auslösen können. Ziel des mit 170.000 Euro geförderten Projektes ist es, neue Präventions- und Therapiemaßnahmen zu entwickeln.

Eine Chemotherapie kann das Wachstum von einigen Tumorerkrankungen nicht aufhalten. Ein möglicher Grund ist die Entstehung von Resistenzen: Die Tumorzellen, vor allem bei Pankreaskrebs, werden unempfindlich gegenüber Medikamenten. Um die zugrundeliegenden biologischen Prozesse besser zu verstehen, geht Dr. Bastian Dörsam der Frage nach, ob und wie extrazelluläre Vesikel, die eine wichtige Rolle bem interzellulären Austausch von Signalmolekülen spielen, die Entstehung von Resistenzen beeinflussen können. Seine Untersuchungen sollen die Grundlage für Tierstudien bilden, mit dem Ziel die Krebsbehandlung zu verbessern. Das Projekt des Nachwuchswissenschaftlers wird mit 180.000 Euro unterstützt.

Das Immunoproteasom ist ein Proteinkomplex, der dem Immunsystem Informationen über Fremdkörper, wie Bakterien und Viren, liefert und für den Stoffwechsel sowie die Aktivität von Immunzellen essentiell ist. Eine Erhöhung der Konzentration des Immunoproteasoms in der Zelle ist oft bei Autoimmunerkrankungen, wie chronisch-entzündlichen Darmerkrankungen, messbar. Betroffene Patienten haben ein erhöhtes Risiko der Darmkrebsentstehung. In Vorarbeiten hat der Nachwuchswissenschaftler Maik Luu bereits verschiedene Wirkstoffe untersucht, welche die Funktion des Proteasoms gezielt hemmen können. Sein Ziel ist es zu klären, ob damit ein Fortschreiten der Darmerkrankung und entzündungsbedingte Tumorentstehung verhindert werden können. Das Projekt wird mit 100.000Euro unterstützt.

Projekte des LOEWE-Zentrums UGMLC

Lungenkrebs hat eine der niedrigsten Überlebensraten aller Krebsarten, da die Tumoren schnell Resistenzen gegen klassische Chemotherapeutika entwickeln. Privatdozent Dr. Rakjumar Savai und sein Kooperationspartner Prof. Dr. Thorsten Stiewe wollen mithilfe von PDE-Inhibitoren neue Therapien für Tumorpatienten entwickeln, bei denen herkömmliche Behandlungsmöglichkeiten versagen. Ziel des mit 300.000 Euro geförderten Projektes ist es, die Prognose von Lungenkrebspatienten nachhaltig zu verbessern.

Ein erhöhter Kohlendioxidgehalt tritt häufig bei Patienten mit akutem Atemnotsyndrom oder einer chronisch obstruktiven Lungenerkrankung auf. In beiden Fällen finden sich oft Bakterien oder Viren als Ursache oder Komplikation. Dr. István Vadácz und Prof. Dr. Bernd Schmeck wollen in ihrem Kooperationsprojekt die angeborene Immunabwehr in der Lunge untersuchen. Ihr Ziel ist es, den Einfluss des Kohlendioxidspiegels auf die Infektion mit verschiedenen Bakterien und Viren zu klären und langfristig die Grundlage für neue Therapiestrategien zu entwickeln. Das Projekt wird mit 300.000 Euro gefördert.

Hintergrund:

Die im Marburger Landgrafenschloss ansässige Von Behring-Röntgen-Stiftung wurde am 8. September 2006 vom Land Hessen als rechtsfähige Stiftung des bürgerlichen Rechts errichtet. Gegründet wurde sie im Zuge der Fusion der Universitätskliniken Gießen und Marburg im Jahr 2005 und der anschließenden Privatisierung 2006 mit dem Ziel, an beiden Standorten neue Perspektiven für die Hochschulmedizin zu sichern und zu entwickeln. Dem Stiftungsvorstand gehören als Präsident der ehemalige Bundesminister Friedrich Bohl und als Vizepräsidenten der Marburger Virologe Prof. Dr. Hans-Dieter Klenk und die Gießener Augenspezialistin Prof. Dr. Birgit Lorenz an. Ein mit 16 namhaften Wissenschaftlern aus Deutschland und Österreich besetzter wissenschaftlicher Beirat hat die Aufgabe, die der bei der Medizinstiftung eingereichten Förderanträge zu bewerten sowie Projekte und Themenschwerpunkte zu empfehlen. Antragsberechtigt sind Angehörige der medizinischen Fachbereiche der Universitäten Marburg und Gießen. Die Von Behring-Röntgen-Stiftung schreibt jedes Jahr zum 31. Juli eine Förderrunde aus. Bisher konnte sie rund 19,7 Millionen Euro für über 100 Projekte bewilligen.





Alle Blog-Einträge